Februar - Now Endeavor

Die meisten Bands entwickeln sehr schnell einen eigenen, charakteristischen Sound. Den Sound, der die Band ausmacht und für den sie von ihren Fans geliebt werden. Das US-amerikanische Duo Now Endeavor kann damit nicht dienen: Es produziert ganz bewusst Musik unzähliger verschiedener Genres. Unter anderem den Grund dafür hat Now Endeavor uns am 4. Februar bei Kiel dreht auf verraten.
 

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Now Endeavor besteht aus den beiden Brüdern Thom (Gitarre) und Pete Beard (Klavier) aus Detroit. Vor der Gründung der Band waren sie bereits in mehreren anderen Musikprojekten involviert. Thom machte vor allem im Bereich Pop, Rock und Punk Musik, während Pete sich eher an Rhythm & Blues und Urban orientierte.

"Im Frühling 2014 haben wir dann beschlossen, unsere Projekte zusammenzuführen", berichtet Thom im Ferninterview mit Kiel FM. "Wir konnten uns gut vorstellen, dass es ziemlich gut klingen könnte, wenn wir unsere unterschiedlichen musikalischen Hintergründe mischen."

Die Musik von Now Endeavor wurde tatsächlich aber noch deutlich mehr als nur eine Mischung der Vorzüge der beiden Brüder. Die Band legte sich von Anfang an nicht auf ein bestimmtes Genre fest, sondern produzierte "alles", wie sie auf ihrer Homepage schreibt.
 


Bild: Thom und Pete Beard von Now Endeavor (© Now Endeavor)

"Wenn wir sagen, wir produzieren alles, soll das vor allem heißen, dass wir nicht die Erwartungen erfüllen müssen, die irgendjemand darüber hat, wie unsere Musik klingen müsse", sagt Thom. "Wir können einfach die Musik machen, die wir machen wollen. Das heißt zum Beispiel auch, dass wir heute einen Country-Song schreiben können und morgen schon wieder Rap machen."

Für die Band habe das den Vorteil, dass das Songschreiben nie langweilig werde. Die Nachteile der Genrevielfalt sind allerdings auch klar: Es wird deutlich schwieriger, eine stabile Fanbasis aufzubauen. "Wenn jemandem ein Song gut gefällt, kann es sein, dass er den nächsten überhaupt nicht mehr mag, weil er einfach komplett anders klingt", sagt Thom. Bezüglich der Fans habe Now Endeavor allerdings aber auch wieder den Vorteil, dass sie von Liebhabern vieler verschiedener Genres Fans abgreifen könne und so ein sehr breites Spektrum an Zuhörern erreiche.

 

"Auch unsere ethnischen Hintergründe sind eher gemischt, nicht auf eines festgelegt", erklärt Thom. "Unser Vater ist Afro-Amerikaner, die Vorfahren unserer Mutter stammen aus Polen." Auch hier gebe es also einen Zusammenhang.

Als zusätzliche Quelle zum Fanwachstum setzt Now Endeavor auf starke Musikvideos. Quasi über einen Umweg sollen Fans so dazu motiviert werden, auch Titel anderer Genres zu hören, die ihnen über ein eindrückliches Video schmackhaft gemacht werden. Beispielsweise das Video zum Song "Come Home" ("Nach Hause kommen"). Zu Beginn zeigt es, wie die beiden Brüder an einem kargen Strand liegen und schlafen. Einer der beiden erwacht, erschreckt und rüttelt energisch an seinem Bruder, um auch ihn zu wecken. Der Zuschauer fragt sich, wie sind sie dorthin gekommen? Sind sie Schiffbrüchige? Sind sie mit dem Flugzeug abgestürzt?
Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Es kommen sogar noch mehr Fragen auf, als beide Brüder, offensichtlich verletzt und todmüde, durch ein Waldstück humpeln, das an den Strand angrenzt. Sie treffen auf zwei junge Frauen, die sie schließlich mit in eine Hütte im Wald nehmen und ihnen etwas zu trinken anbieten. In der Schlusszene prosten sich die Frauen zu - in den Gläsern drehen sich die Gesichter der beiden Brüder.

 

Zweifelsohne sind kreative und aufwendig hergestellte Musikvideos wie diese zu loben, fraglich ist nur, ob sie nicht schon zu sehr von der Musik als solcher ablenken und diese eher in den Hintergrund rücken. Das wollen Now Endeavor wie beschrieben letztlich auf eine indirekte Art und Weise, sicher lassen sich auch zusätzliche Fans durch diese Methode gewinnen, aber schöner ist es sicherlich, wenn Menschen rein durch die Musik zu Fans werden.

Der Song "Come Home" verarbeitet metaphorisch die Erfahrungen der Band mit der Musikindustrie. "Man kann mit einer naiven Einstellung in diese Wirtschaft reingehen", sagt Thom. "Das fühlt sich im Grunde genauso an, wie wenn man gerade ganz frisch eine neue Freundin hat. Man hat Schmetterlinge im Bauch, wenn man sie sieht und man bewundert ihre Schönheit. Aber mit der Zeit muss man lernen, dass diese Dinge für eine erfolgreiche Beziehung eben nicht ausreichen. Man muss sowohl in Beziehungen als auch in die Musikindustrie viel harte Arbeit stecken, um wirklich erfolgreich zu sein. Und genau das versuchen wir zu tun."

Offenbar mit Erfolg. Now Endeavor haben in den ersten drei Jahren ihres Bestehens bereits vier EPs herausgebracht. Den Anfang machte 2014 die EP "Macaques On Fire" ("Brennende Makaken", eine Affenart, Anm. d. Red.), die noch eher rockbetont war. Es folgte noch im selben Jahr "Waiting On Waffles" ("Warten auf Waffeln"), in der es in einem Song Anklänge an Scooters markantes "Maria" gibt. 2015 folgte "Ex And Woes" und zuletzt 2016 "Lost In Translation".

Now Endeavor ist eine Band, die auf den ersten Blick musikalisch nicht sehr bodenständig zu sein scheint - doch auf den zweiten Blick wird klar: Durch ihre Konsequenz in der Vielfalt ist die Band sehr wohl zuhause in der Abwechslung.

Website: nowendeavor.com

 

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