Juli - Forget The Whale

Nachbarschaftsstreitereien wegen Ruhestörungen gehören in vielen Häusern zum Alltag. Oft ist es nicht einfach, den Lärm einfach hinzunehmen und damit auf ein Streitgespräch zu verzichten. Doch dass es sich sehr lohnen kann, laute Musik aus der Nachbarwohnung nicht einfach nur zu akzeptieren, sondern einfach mitzumachen, beweist die Entstehungsgeschichte der Band "Forget The Whale" aus Jersey City/New Jersey. Wir haben sie am 01. Juli 2017 bei Kiel dreht auf vorgestellt.

Nachhören:



Forget The Whale besteht aus Alishia Taiping (Gesang, Bass), Dan Pieraccini (Bass, Keyboard, Gesang), Peter Durning (Gitarre, Mundharmonika) und Anthony "AJ" Zienowicz (Schlagzeug, Gesang). Letzterer spielte an einem Novembertag des Jahres 2013 in seiner Wohnung in voller Dröhnung Schlagzeug, sehr wohl wissend um die hohe Lautstärke. Sein Nachbar Dan Pieraccini missfiel die Beschallung aus der Wohnung unter ihm und er klingelte bei Anthony, um sich über den Krach zu beschweren. Doch es wurde nichts mit der geplanten Standpauke: Nach kurzer Zeit holte Dan seinen Bass - und beide fingen zusammen an zu jammen. Dan holte noch seine Freunding Alishia als Sängerin und Peter Durning als Gitarristen dazu - "Forget The Whale" war geboren.


Bild: Forget The Whale (Quelle: Forget The Whale)

Der außergewöhnliche Bandname ("Forget The Whale" = "Vergiss den Wal") bezieht sich auf Hermann Melvilles Roman "Moby Dick". Darin wird die Geschichte des Kapitäns Ahab beschrieben, der auf der Suche nach dem weißen Wal Moby Dick die Weltmeere durchkreuzt, um sich an ebenjenem zu rächen: Moby Dick hat Ahab einst ein Bein ausgerissen. Der Kapitän kann nicht von seiner Vergangenheit loslassen, er kann den Wal nicht vergessen. Genau dazu ruft der Bandname auf. "Der Name steht dafür, hier und jetzt zu leben und sich nicht von seiner Vergangenheit verrückt machen zu lassen", erklärt Peter Durning im Kiel FM Interview.

"Forget The Whale" sagen über sich selber, sie hätten keinen wirklichen eigenen Klang. "So viele Bands haben heutzutage einen bestimmten Klang, nach dem dann alle Songs klingen", sagt Dan. "Das finden wir langweilig. Wir wollen Songs schreiben, die wir wirklich hören wollen und nicht an einem bestimmten Klang festkleben." Ein Aspekt, den ihre Fans an ihrer Musik so mögen würden, sei ebendiese Losgelöstheit von einem festen Genre, sagt Dan.

Tatsächlich hat die Band zahlreiche verschiedene Genres ausprobiert, über Blues, Jazz, Rockabilly bis Rock'n'Roll. Wichtig sind der Band auch Elemente aus der Popmusik wie eingängige Refrains und wohlklingende Melodien.



Wir haben "Forget The Whale" auch nach einem ihrer neuesten Songs, "The Little Robot" ("Der kleine Roboter") aus dem Jahr 2017 gefragt. Roboter sind allerdings höchstens indirekt das Thema dieses Songs und zeigen sich in der musikalischen Gestaltung des Songs, der teilweise bewusst abgehackt daherkommt.

"Es geht in dem Song darum, wie künstlich Gespräche manchmal sind. Man betreibt eine Menge Smalltalk, aber erreicht nicht das Herz des Gegenübers", erklärt Dan. Im Refrain heißt es "there's a whole world in my heart" ("in meinem Herz befindet sich eine ganze Welt"), ein Ausdruck, der zeigen soll, wie viel Tiefe in einem Menschen steckt. Diese Tiefe falle dem oberflächlichen Smalltalk zum Opfer. "Es ist in solchen Gesprächen schwierig, diese Tiefe zu sehen", sagt Dan. "Dabei wollen wir diese Tiefen alle zeigen!"


Bild: Cover der EP  "What I Tell Myself Vol. 2" (Quelle: Forget The Whale)

Zwei EPs haben "Forget The Whale" in ihrem mittlerweile gut dreieinhalbjährigen Bestehen produziert. Ende Dezember 2015 erschien "What I Tell Myself", im Mai 2017 folgte "What I Tell Myself Vol. 2". Darauf zu finden ist stets durchdachte, tiefgründige und vielfältige Musik. Die vielleicht schönste Folge eines im Keim erstickten Nachbarschaftsstreits aller Zeiten.

die Band im Internet: facebook.com/Forgetthewhale, soundcloud.com/forget-the-whale

 

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